Wer eine Reinigungskraft einstellt, verlässt sich auf jemanden, der unbeaufsichtigt in Wohnungen, Büros oder Praxen arbeitet – oft mit Schlüssel, oft allein. Das Vorstellungsgespräch ist deshalb keine Formsache, sondern der wichtigste Filter, bevor jemand Zugang zu Räumen und Kunden bekommt. Die folgenden Fragen haben sich in der Praxis der Gebäudereinigung und Unterhaltsreinigung bewährt – unabhängig davon, ob Sie eine Festanstellung, einen Minijob oder eine selbstständige Reinigungskraft auf Rechnung einstellen.

Vor dem Gespräch: Klären Sie das Beschäftigungsmodell

Bevor Sie Fragen formulieren, sollten Sie wissen, in welcher Form die Person für Sie arbeiten soll – das beeinflusst, was Sie überhaupt fragen dürfen und müssen:

  • Angestellte Reinigungskraft (Minijob, Teilzeit, Vollzeit): Sie melden die Person bei der Minijob-Zentrale bzw. Krankenkasse an, es gelten Mindestlohn, Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
  • Selbstständige Subunternehmer:innen: Diese müssen ein Gewerbe angemeldet haben (Gewerbeamt), ggf. Mitglied der Handwerkskammer sein und eine eigene Rechnung mit Steuernummer stellen. Achten Sie auf Scheinselbstständigkeit – wer nur für Sie arbeitet, feste Zeiten hat und Ihre Ausrüstung nutzt, gilt schnell als abhängig beschäftigt.
  • Kleinunternehmer:innen nach § 19 UStG: Häufig bei Einzelpersonen, die gerade starten. Das ist rechtlich unproblematisch, ändert aber nichts an der Scheinselbstständigkeits-Frage.

Die Unterhaltsreinigung unterliegt in Deutschland grundsätzlich keiner Meisterpflicht – anders als etwa die Gebäudereinigung mit bestimmten Zusatzleistungen (z. B. Fassadenreinigung in der Höhe), die teils eine Eintragung in die Handwerksrolle erfordert. Fragen Sie im Zweifel gezielt nach, ob die Person oder ihr Betrieb bei der Handwerkskammer registriert ist, wenn Sie größere Gewerbeobjekte betreuen.

Fragen zur fachlichen Eignung

  • Welche Reinigungsarten haben Sie bisher gemacht – Unterhaltsreinigung, Grundreinigung, Fensterreinigung, Baureinigung?
  • Mit welchen Reinigungsmitteln und -maschinen haben Sie Erfahrung (z. B. Einscheibenmaschine, Dampfreiniger)?
  • Wie gehen Sie mit empfindlichen Oberflächen um, etwa Parkett, Naturstein oder Edelstahl?
  • Haben Sie schon einmal in Objekten mit besonderen Hygieneanforderungen gearbeitet, z. B. Arztpraxen oder Lebensmittelbetrieben?

Fragen zu Zuverlässigkeit und Arbeitsweise

Fachwissen lässt sich leichter nachschulen als Zuverlässigkeit. Diese Fragen helfen, Verhaltensmuster sichtbar zu machen:

  • Erzählen Sie von einer Situation, in der Sie kurzfristig krank oder verhindert waren – wie haben Sie das kommuniziert?
  • Wie gehen Sie damit um, wenn ein Kunde eine Beschwerde hat?
  • Was tun Sie, wenn Sie in einer Wohnung etwas beschädigen oder einen Fehler machen?
  • Wie würden Sie reagieren, wenn Sie in einer Wohnung Bargeld oder Wertsachen offen liegen sehen?
  • Sind Sie flexibel bei Uhrzeiten, oder brauchen Sie feste Zeitfenster (z. B. wegen Kinderbetreuung)?

Fragen zu organisatorischen und rechtlichen Punkten

  • Haben Sie ein Gewerbe angemeldet, oder möchten Sie als Minijobber:in / Teilzeitkraft angestellt werden?
  • Verfügen Sie über eine Haftpflichtversicherung für Ihre Tätigkeit?
  • Haben Sie ein eigenes Auto oder sind Sie auf ÖPNV angewiesen? Wie weit sind Sie bereit zu fahren?
  • Sprechen Sie Deutsch auf einem Niveau, das für Kundenkommunikation ausreicht, oder benötigen Sie Unterstützung dabei?
  • Haben Sie ein Führungszeugnis, falls der Kunde eines verlangt (z. B. bei Objekten mit Publikumsverkehr)?

Situative Fragen für den Praxistest

Wer wirklich wissen will, wie jemand arbeitet, sollte über den reinen Fragenkatalog hinausgehen und ein kurzes Probearbeiten oder eine praktische Aufgabe einbauen. Ergänzend eignen sich diese Situationsfragen:

SituationWorauf Sie achten sollten
Der Kunde ist unzufrieden mit dem Ergebnis, obwohl alles laut Checkliste erledigt wurde.Reagiert die Person defensiv oder lösungsorientiert?
Ein Zweitschlüssel wurde verlegt.Wird das sofort gemeldet oder verschwiegen?
Die vereinbarte Zeit reicht nicht für alle Aufgaben.Setzt die Person selbstständig Prioritäten und informiert den Kunden?
Ein Kunde bittet um eine Zusatzleistung, die nicht vereinbart war.Wird das klar kommuniziert (Zusatzkosten, Ablehnung) statt einfach stillschweigend erledigt oder ignoriert?

Warnsignale im Gespräch

  • Ausweichende Antworten zu früheren Arbeitgebern oder häufigem Jobwechsel ohne nachvollziehbaren Grund
  • Keine Bereitschaft, Referenzen oder frühere Kunden zu nennen
  • Unklarheit oder Widersprüche bei Gewerbeanmeldung bzw. Versicherungsschutz
  • Zögern bei Fragen zu Umgang mit Wertsachen oder Beschwerden
  • Unrealistische Verfügbarkeit ("ich kann rund um die Uhr, überall, sofort") – oft ein Zeichen für zu viele parallele Auftraggeber

Nach dem Gespräch: Struktur schlägt Bauchgefühl

Bewerten Sie jede Kandidat:in nach denselben Kriterien – etwa Fachwissen, Kommunikation, Verfügbarkeit und rechtliche Klarheit – statt sich nur auf den ersten Eindruck zu verlassen. Ein einfaches Punktesystem (1–5 pro Kategorie) macht Entscheidungen später nachvollziehbar, besonders wenn Sie mehrere Reinigungskräfte parallel einstellen. Wie Sie den gesamten Einstellungsprozess von der Stellenanzeige bis zum Arbeitsvertrag aufbauen, inklusive Musterverträgen und Checklisten, lesen Sie im ausführlichen Leitfaden Reinigungskräfte einstellen – der komplette Guide.

Nach der Einstellung: Organisation entscheidet über den Erfolg

Selbst die beste Reinigungskraft bringt wenig, wenn Termine, Rechnungen und Erinnerungen manuell in Excel-Tabellen oder WhatsApp-Chats verwaltet werden. Mit CleanWhale können Sie Buchungen online entgegennehmen, Einsätze automatisch einplanen, Rechnungen erstellen und Kund:innen sowie Team per Erinnerung informieren – ohne Zettelwirtschaft. Werfen Sie einen Blick auf die Preise und Pakete oder informieren Sie sich über alle Funktionen, um zu sehen, ob CleanWhale zu Ihrem Reinigungsbetrieb passt.