Eine chemische Reinigung zu eröffnen ist eine Investition mit vielen Einzelposten: Reinigungsmaschine, Bügeltechnik, Finishing-Geräte, Lüftungstechnik und Software für Kundenverwaltung. Wer die Kosten unterschätzt, gerät schnell in Finanzierungsprobleme, bevor der erste Umsatz überhaupt fließt. Dieser Artikel listet die konkrete Ausrüstung mit realistischen Preisen in Euro auf und erklärt, welche rechtlichen Weichen vorher gestellt werden müssen.
Einen vollständigen Fahrplan zur Gründung – von der Standortwahl bis zum ersten Kunden – findest du im Hauptartikel Chemische Reinigung eröffnen: Schritt für Schritt. Hier geht es ausschließlich um Ausrüstung und Kosten im Detail.
Welche Ausrüstung braucht eine Reinigung wirklich?
Die Grundausstattung unterscheidet sich je nachdem, ob du klassische chemische Reinigung (mit Lösemittel), eine Nassreinigung (Wetcleaning) oder einen reinen Annahme- und Abholservice ohne eigene Reinigungsmaschine betreiben willst. Viele kleinere Betriebe in Deutschland arbeiten heute als Annahmestelle und lassen die eigentliche Reinigung bei einem Großreiniger im Hintergrund durchführen – das senkt die Anfangsinvestition drastisch.
Modell 1: Vollausstattung mit eigener Reinigungsmaschine
Hier investierst du in die komplette technische Ausrüstung und produzierst selbst. Höhere Kosten, aber volle Kontrolle über Qualität und Kapazität.
Modell 2: Annahmestelle mit Subunternehmer
Du betreibst ein Ladengeschäft oder einen Abhol-/Lieferservice, die eigentliche Reinigung übernimmt ein Partnerbetrieb. Deutlich geringere Investitionskosten, dafür niedrigere Marge pro Stück.
Die komplette Ausstattungsliste mit Kosten
Die folgenden Preise sind Richtwerte für den deutschen Markt, Stand 2024, jeweils netto ohne Mehrwertsteuer:
| Ausrüstung | Neu | Gebraucht |
|---|---|---|
| Chemischreinigungsmaschine (KWL/Perc-Nachfolger) | 25.000–60.000 € | 8.000–20.000 € |
| Wetcleaning-Waschmaschine + Trockner (gewerblich) | 12.000–25.000 € | 4.000–10.000 € |
| Bügelpuppe / Formfinisher (Hemden, Jacken) | 6.000–15.000 € | 2.500–6.000 € |
| Dampfbügeltisch mit Absaugung | 2.500–6.000 € | 800–2.000 € |
| Dampferzeuger / Kessel | 4.000–12.000 € | 1.500–5.000 € |
| Fleckentferntisch mit Absaugung | 3.000–7.000 € | 1.200–3.000 € |
| Fördersystem / Kleiderkarussell | 3.000–10.000 € | 1.000–4.000 € |
| Verpackungsmaschine (Folie/Bügel) | 1.500–4.000 € | 500–1.500 € |
| Kassensystem + Reinigungssoftware | ab 30–90 €/Monat | – |
| Ladeneinrichtung, Theke, Regale | 3.000–10.000 € | 1.000–4.000 € |
| Lieferfahrzeug (falls Abholservice) | 15.000–30.000 € | 5.000–15.000 € |
Für eine schlanke Vollausstattung solltest du mit 60.000–120.000 € Anfangsinvestition rechnen. Eine reine Annahmestelle mit Abholservice lässt sich dagegen oft schon mit 15.000–30.000 € starten, da Maschine, Kessel und Fördersystem entfallen.
Neu oder gebraucht kaufen?
Gebrauchte Reinigungsmaschinen sind ein zweischneidiges Schwert: Sie sparen 50–70 % der Anschaffungskosten, bringen aber ein Restrisiko bei Lösemittelanlagen mit sich, besonders bei älteren Perc-Maschinen, die strengeren Umweltauflagen unterliegen. Prüfe vor dem Kauf:
- Baujahr und Wartungshistorie, idealerweise mit Servicenachweisen
- Ob die Maschine die aktuelle Lösemittelverordnung (bei Perc: TA Luft, Grenzwerte) noch erfüllt
- Ersatzteilverfügbarkeit beim Hersteller
- Transport- und Installationskosten, die bei schweren Maschinen schnell 1.000–3.000 € zusätzlich kosten
Neue Maschinen kommen meist mit Garantie, Einweisung und Finanzierungsoptionen des Herstellers – das erleichtert die Anlaufphase erheblich, besonders wenn du noch keine Erfahrung mit der Technik hast.
Laufende Kosten neben der Anschaffung
Die Investition ist nur die halbe Rechnung. Plane monatlich zusätzlich ein:
- Miete für Gewerbefläche: je nach Lage 15–35 €/m²
- Energiekosten (Strom, Gas für Dampferzeuger): 500–2.000 € je nach Auslastung
- Lösemittel bzw. Waschmittel und Verbrauchsmaterial: 300–1.000 €
- Wartung der Reinigungsmaschine: 100–300 €
- Entsorgung von Filterrückständen/Schlamm bei Lösemittelreinigung: 50–200 €
- Versicherungen (Betriebshaftpflicht, Maschinenversicherung): 50–150 €
- Software für Terminverwaltung, Rechnungen, Kundenerinnerungen: ab 30 €/Monat
Rechtliche Grundlagen: Gewerbe, Kammer, Rechtsform
Bevor die erste Maschine geliefert wird, müssen die formalen Grundlagen stehen.
Gewerbe anmelden
Eine chemische Reinigung ist ein Gewerbebetrieb und muss beim örtlichen Gewerbeamt angemeldet werden. Die Gebühr liegt meist zwischen 20 und 60 €. Je nach eingesetzten Lösemitteln können zusätzlich Genehmigungen nach Immissionsschutzrecht (BImSchG) oder eine Anzeige bei der Umweltbehörde nötig werden – das betrifft vor allem Perc-Anlagen.
Kleinunternehmerregelung
Startest du klein, etwa als Annahmestelle ohne große Investition, kann die Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) für den Anfang sinnvoll sein: keine Umsatzsteuer auf Rechnungen, dafür auch kein Vorsteuerabzug. Da die Anschaffung von Reinigungsmaschinen hohe Vorsteuerbeträge mit sich bringt, lohnt sich bei größeren Investitionen meist die Regelbesteuerung – der Vorsteuerabzug auf die Maschine kann mehrere tausend Euro zurückbringen.
GmbH, UG oder Einzelunternehmen?
Bei hohen Investitionssummen und dem Umgang mit Chemikalien empfiehlt sich aus Haftungsgründen häufig eine GmbH oder haftungsbeschränkte UG statt eines Einzelunternehmens. Die Gründung einer UG ist bereits mit 1 € Stammkapital möglich, praktikabel sind aber meist einige tausend Euro Startkapital. Eine GmbH verlangt 25.000 € Stammkapital (mindestens 12.500 € bei Gründung einzuzahlen). Lass dich hierzu von einem Steuerberater beraten, bevor du Maschinen bestellst.
Handwerkskammer und Meisterpflicht-Nuancen
Die chemische Reinigung/Textilreinigung zählt nicht zu den meisterpflichtigen Handwerken der Anlage A der Handwerksordnung – anders als etwa bestimmte Tätigkeiten im Gebäudereiniger-Handwerk. Trotzdem solltest du dich bei der zuständigen Handwerkskammer erkundigen, ob eine Eintragung in die Handwerksrolle (zulassungsfreies Handwerk, Anlage B1) oder ins Verzeichnis der handwerksähnlichen Gewerbe erforderlich ist – die Einstufung kann je nach angebotenen Zusatzleistungen (z. B. Näharbeiten, Änderungsschneiderei) variieren. Eine kurze Anfrage vor der Gewerbeanmeldung erspart spätere Bußgelder.
Software und Organisation nicht vergessen
Neben Maschinen brauchst du ein System, das Terminbuchungen, Abholungen, Rechnungen und Erinnerungen an Kunden organisiert. Gerade bei Abhol- und Lieferservices summieren sich sonst Excel-Listen und Zettelwirtschaft schnell zu verpassten Terminen und liegen gebliebenen Kleidungsstücken. Ein Blick auf die Funktionen von CleanWhale zeigt, welche Prozesse sich von Anfang an automatisieren lassen.
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